Europas gemeinsame Probleme

Dass in österreichischen Landen gerade zur Zeit eine recht ausgeprägte Politikverdrossenheit herrscht, wird nicht nur von den Medien des Landes allseits von den Dächern gepfiffen. Nein, auch die noch so jungen Nationalratswahlen vermochten dies eindrucksvoll vor Augen zu führen, man betrachte nur das Ergebnis.
Obwohl die Wahl doch eine richtungsweisende sein sollte, nach einer recht verpfuschten großen Koalition und Umfragewerten der Beteiligten, die man keinem Wolfgang Flöttl wünschen möchte, konnten die Parteien kaum Wähler mobilisieren. Im Nachwahlkater weiß jetzt natürlich jeder, was in der Kampagne falsch gelaufen ist, dass nur Protestwähler das „Dritte (oppositionelle) Lager“ so gestärkt haben und das lediglich als Denkzettel für die „Groß“-Parteien gedacht war.

Sei’s d’rum, jedenfalls fällt zunehmende Politikverdrossenheit auch im großen Europavergleich recht stark auf, man denke nur an den unglaublichen Fall des britischen Labour-Premiers Gordon Brown oder auch das aufgebrauchte Vertrauen, das man einem Nicolas Sarkozy in Frankreich vorzuschießen gewillt war.
Auch unsere deutschen Nachbarn sind davon nicht verschont, erlitt die Union doch bei der bayerischen Landtagswahl eine ordentliche Abfuhr (sicherlich kann man mit über 40% nicht gerade von einer Wahlniederlage sprechen), die man aber tatsächlich zu einem großen Teil auch der Regierung in der Hauptstadt zuschreiben kann und muss.
Denn weniger als die Bayern mit ihrer Landesregierung unzufrieden sind, sind sie es mit der Bundesregierung, fungieren so also mit ihrer Stimmabgabe bloß als ganz-deutsche Repräsentanten.

Tatsächlich haben die SPD und die Kanzlerpartei CDU/CSU noch Einiges nachzuholen beziehungsweise überhaupt einmal im Ansatz zu beginnen, das beim Urnengang noch so groß propagiert wurde. Von der Änderung und dem frischen Wind, dem man sich verschrieben hat, blieb bloß ein laues Lüftchen in Form von recht zahnloser Politik übrig, nachdem man endlich in den Bundestag einzog und den Regierungsauftrag erhielt. Resultate ist das Kabinett Merkel noch schuldig. Fraglich, ob ein Zahnersatz Berlin und seiner Politik nochmals neue Bisskraft verleihen kann.